Architekturmodelle: Die Box-Bullet-Line Notation

Ein Merkmal vieler Architekturdokumente ist die kombinierte Verwendung von Text und Grafik zur Abbildung von Modellen. Der Standard für grafische Modellierungsnotation in der Softwareentwicklung ist die Unified Modeling Language (UML). Die UML stellt eine Vielzahl von Verhaltens- und Strukturdiagrammen zur Verfügung, mit denen aus spezifischen Perspektiven eine formale Beschreibung des Systems vorgenommen werden kann.

Als Stärke der UML ist ihre Standardisierung zu nennen. Diese erlaubt eine projektübergreifende und genaue Kommunikation von Modellsichten.

Eine Schwäche der UML liegt in ihrem Umfang und zum Teil aufwändigen Notation, z. B. beim Zeichnen am Flipchart oder in der Gruppenarbeit.

Gerade für Architekturmodelle, die den Dreh- und Angelpunkt zwischen den Anforderungen und deren Umsetzung darstellen, ist die Verständlichkeit dieser Modelle auch für Menschen aus der Fachdomäne wichtig. In der Praxis ist das oft nicht gegeben und so führt die UML zur Ausprägung eines Spezialistentums für Modellnotationen, die im Projekt eher eine Verringerung der Kommunikation als eine Verbesserung erzeugt. Als Architekt tut man gut daran, eine Darstellung zu finden, die allen Akteuren die aktive Beteiligung an Architekturdiskussionen ermöglicht und so ein gemeinsames Verständnis der Architektur unterstützt.

In der Praxis ist der Einsatz einer grafischen Darstelllung der Form „Box-Bullet-Line (BBL)“ oft gut geeignet, weil diese leicht verständlich und intuitiv handhabbar ist. Komponenten werden als Box, Verbindungsbeziehungen zwischen Komponenten werden als Linie dargestellt. Sollen Datenflüsse zwischen Komponenten abgebildet werden, bietet sich die Verwendung gerichteter Linien an. Diese Linien können mit Nummern versehen werden, durch die eine Ablauffolge des Transportflusses symbolisiert wird. Zusätzlich kann der Auslöser des Datenflusses, also die aktive Komponente in der Transportbeziehung, mit einem Punkt (Bullet) markiert werden.

Box-Bullet-Line Notation. A sendet zunächst Daten an B, daraufhin holt C Daten von B ab.

Bei techniknaher Modellierungsarbeit,  wie z. B. bei der Erarbeitung und Darstellung von Klassenmodellen, ist die UML hingegen sehr gut geeignet und sollte verwendet werden. In diesem Umfeld ist zu erwarten, dass Spezialisten, die mit Programmcode umgehen, auch der UML Notation einen Sinn abgewinnen können. Eine große Hilfe ist dabei die automatische Erzeugung von UML Diagrammen aus dem Programmcode, die für die Erstellung aktueller und mit dem Code deckungsgleichen Dokumentationen verwendet kann.

Kurz gesagt: Die BBL Notation funktioniert für mich gut bei der Entwicklung und Kommunikation von Architekturmodellen. Die UML Notation ist eher eine Kommunikationsform für Spezialisten und greift bei der Darstellung von Entwurfsmodellen und Implementierungsmustern.

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